Sweet Home Working - Unternehmenskultur im Homeoffice

Sweet Home Working - Unternehmenskultur im Homeoffice

Was sagt Ihr Cultural Fit, wenn Mitarbeitende neuerdings im Pyjama am Jour Fixe teilnehmen?

Gelebte Praxis oder Zwangsexperiment: Was bedeutet Homeoffice über technische Notwendigkeiten hinaus? Wie wirkt es sich auf die Unternehmenskultur aus und vor allem welche Rolle spielt dabei die Führungskraft? Ein paar Gedanken von ständiger Erreichbarkeit bis zum virtuellen Dresscode. 

Laut einer aktuellen deutschen Studie arbeitet mittlerweile jede 2. berufstätige Person ganz oder zumindest teilweise im Homeoffice (Bitcom März 2020). Für 18 Prozent ist Homeoffice völliges Neuland und der aktuellen Krise geschuldet. Das sind beachtliche Zahlen, sagen doch 41 Prozent, dass ihre Arbeit für Homeoffice gar nicht in Frage kommt. 

Auch die größten Homeoffice-Skeptiker haben erkannt: Momentan geht es nicht anders. Und wir schreiben jetzt nicht darüber, warum hier kein Weg daran vorbei geht. Spannend ist für uns die Frage, welche Schlüsse bisherige Verweigerer aus diesem für sie unfreiwilligen Experiment ziehen. Dazu werde ich Sie spätestens im Herbst 2021 informieren. Diese Umfrage steht in der Post-Corona-Ära ganz oben auf unserer Agenda. 

Leadership im Homeoffice

Als Spezialistin für Unternehmenskultur interessiert mich jetzt vor allem eines: Wie wirkt es sich kulturell aus, wenn aus ganzen Abteilungen virtuelle Teams werden? Dabei spielt freilich eine Rolle, wie sehr das Unternehmen schon in der Vergangenheit auf flexibles Arbeiten gesetzt hat –in puncto Zeit und Ort.  

Ich erinnere mich an ein Interview, das ich 2007 mit der Schwedin Helen Duphorn, der damaligen Ikea Österreich Country Managerin, geführt habe. Sie erzählte mir, dass sogar Board-Meetings in ihrem privaten Wohnzimmer stattgefunden haben, wenn ihr Sohn krank war. Aber ja – wo ist Ikea eigentlich kein Vorreiter?

Aus anderen Unternehmen wissen wir, dass Homeoffice auch Anfang 2020 noch ein Tabuthema war. Wurde es etwa im Krankheitsfall von Kindern zähneknirschend akzeptiert, lastete ein großer Druck auf den Beteiligten. Es soll Fälle gegeben haben, wo sich Mitarbeitende zuhause kaum auf die Toilette trauten: „Was ist, wenn die Chefin gerade dann anruft und ich nicht erreichbar bin?“

An diesen Beispielen sehen wir, welche Rolle Führungskräften hier zukommt. Damit es Home Working vom Notnagel zur Win-win-Situation schafft, hier ein paar Tipps. Was sollten Sie als Führungskraft vorab mit Ihrem Team klären?

1. Arbeitszeiten & Erreichbarkeiten

Sie wollen schließlich selbst wissen, wann Sie Ihre Teammitglieder erreichen können bzw. im Arbeitsmodus erwischen. Eine Antwort wie: „Entschuldigung, ich muss erst meinen Laptop hochfahren“ ist für beide Seiten unangenehm. Und derzeit bitte nicht vergessen: Kinderbetreuung als Zusatzjob durchkreuzt durchgehende Erreichbarkeit.

2. Kommunikationskanälel & Updates

Telefonate bei Zwischendurch-Anfragen oder, wenn’s rasch gehen muss. Mails, wenn es nicht so dringend ist, und Skype, Teams & Co, wenn eine Besprechung ansteht. Wichtig sind regelmäßige Updates wie z. B. ein 10 Uhr Teamfrühstück. Und eines ist klar: Für Hardware und Datensicherheit sind Sie zuständig – Firmenlaptops sollten im Homeoffice Standard sein.

3. Grenzen des Cultural Fit

Arbeit bleibt Arbeit – auch im Homeoffice. Teammeetings im Pyjama oder im Jogginganzug sind ein No-Go. Normale Bürokleidung stärkt auch die Disziplin beim Switch von privat zu beruflich. In Zeiten wie diesen braucht es aber Toleranz: Die Nerven von sozial isolierten Teenagern liegen mitunter blank und Babys sind auch nicht auf Knopfdruck still.

4. Zeit für informellen Austausch

Beziehungsarbeit ist in Zeiten von Social Distancing wichtiger denn je. Schließlich haben Sie als Führungskraft auch Kulturverantwortung. Warum also nicht mithilfe eines Lieferdienstes ein gemeinsames Mittagessen via Bildschirm organisieren? Und geben Sie in Zeiten wie diesen viel Feedback. Arbeit im Homeoffice will besonders wahrgenommen werden.

Wenn wie in Zeiten von Corona plötzlich alle Mitarbeitenden im Homeoffice landen, wird es freilich eine richtige Bewährungsprobe für die Unternehmenskultur. Hier gilt: Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – und manchmal auch außergewöhnliche Benefits. Aber dazu mehr in einem eigenen Artikel.

Monika Kriwan freut sich auf Ihre Nachricht. Sie ist Partnerin bei Identifire und Expertin für Unternehmenskommunikation, Sprache und Employer Branding.